Freitag, 23. Juni 2017

Abenteuer unseres Lebens

Tja, schneller als gedacht, sieht man sich wieder.

Warum? Unsere Auszeit hatte einen kleinen Zwischenfall, nachdem einige schon gefragt haben.
Und da ich diese ganze Story nicht so oft erzählen möchte, hab ich mich entschieden sie hier aufzuschreiben.

Unser Flugzeug hatte einen Unfall, Betonung liegt hier klar auf Flugzeug, nicht wir. Aber lest selbst.


Fangen wir vorne an:
Für das Abenteuer unseres Leben haben wir unsere Kinder von der Schule befreien lassen. Sind mit ihnen in die USA und haben einen wundervollen, aufregenden und grandiosen Roadtrip durch den Südwesten der USA gemacht. 5000 km in einem XXL Trailer liegen hinter uns.

Unser Rückflug war auf den Samstag am Ende der Pfingstferien datiert. Ein Shuttle brachte uns pünktlich zum Flughafen.

Alles lief Planmäßig. Das Boarding begann und schon kurze Zeit später fragte uns die Stewardess, ob wir bereit wären unsere Plätze zu tauschen? Eine Mutter mit ihrem 4 jährigen Sohn saßen getrennt von einander im Flieger und sollten nebeneinander sitzen. Wir erklärten uns bereit für den 12 stündigen Flug getrennte Plätze einzunehmen. Die Mutter erklärte mir, das ihr Vater verstorben war und sie auf dem Weg zur Beerdigung wären. Daher hatten sie erst den Tag vorher gebucht, aber Einzelplätze. Als Dankschön erhielten wir 2 Flaschen Sekt von der Crew. Ich begann mit den Damen in der neuen Sitzreihe rechts und links wundervolle Gespräche, da sie offensichtlich auch von ihren Männern getrennt worden waren.
Kurze Zeit später kam die Durchsage vom Kapitän, das zwei Fluggäste nicht zum Boarding gekommen wären und das Gepäck wieder ausgeladen werden musste. Es vergingen ein paar Minuten und man bot uns diese zwei Plätze nebeneinander an, also nochmal umziehen. Bis mir die Idee kam, das doch die Mutter mit ihrem Sohn hierhin umziehen könnte und wir wieder unsere alten Plätze neben unseren Kindern haben könnten.
Gesagt, getan.
Inzwischen wurden die Sicherheitsvorkehrungen durchgesagt, wir schnallten uns alle zum Abflug an, als es am Flugzeug plötzlichen einen Schlag tat. Ich dachte zuerst es sei die Gepäckklappe gewesen.
15 min später kam die erste Durchsage des Kapitäns das der Abflug sich weiterverzögert und das es einen kleinen Zwischenfall gegeben hätte und man prüfen musste, ob er zu reparieren sei oder wie es weiter geht.
15 Min später wurden wir darüber informiert, das die Boarding Brücke beim Abkoppeln Rückwärts gegen das Triebwerk gestoßen war und ein Loch in die Außenhülle gerissen hatte, die einen Abflug unmöglich machten. Piloten und Mechaniker haben entschieden, das das Risiko zu groß sei. Der Flug wurde in diesem Moment gecancelt.
Eigentlich ein kleiner Unfall mit großen Folgen. Keiner wurde verletzt. Der Mitarbeiter dem dieser Fehler unterlaufen ist, hat in jener Nacht sicher genauso schlecht geschlafen, wie die Fluggäste.
In der Zwischenzeit waren die Gäste schon fröhlich miteinander am Unterhalten, man merkte schnell wo wer her kam. Das erste mal nach Wochen wieder breites Schwäbisch zu hören, tat unendlich gut.



Neben meinen Mädels saß eine Ärztin aus Persien. Schon beim Einchecken war mir diese exotische Schönheit aufgefallen und ich machte meine Familie schon darauf aufmerksam. Allerdings musste ich schnell feststellen, das keins meiner Vorurteile bestätigt wurde. Gerne hätte einer meiner Männer ihr im Flieger Gesellschaft geleistet. Hatte ich sie für eine englisch sprechende, arrogante und mit aufgespritzten Lippen oder Schauspielerin aus Los Angeles gehalten. Entpuppte sie sich als eine warmherzige Ärztin die perfekt Deutsch, Englisch und Französisch konnte. Schon kurz nachdem Platzeinnehmen spielte sie schon mit meinen Mädels Kniffel.

In den zwei Stunden im Flieger, die wir mit warten verbrachten um Bodenpersonal und einen Terminal für uns bereit zu stellen, wurden wir mit Getränken und Kräcker nur auf Nachfrage versorgt. Tipp: an diese Fluggesellschaft, man hätte die Wartezeit perfekt überbrücken können, wenn man das Essen ausgefahren hätte. Stattdessen köpften wir die Sektflaschen und schenkten ein paar Gläser im Flieger aus. Bis dahin fanden wir alles noch sehr amüsant.

Mit Bussen wurden wir wieder zurück zum Flughafen gebracht. Im Bus stieg eine alte Frau ein, der wir einen Platz zum Sitzen anboten, die mit einem Hörgerät ihr Handy nicht klingeln hörte. Als wir sie darauf aufmerksam machten, übergab sie es an uns, da sie heillos überfordert war. Am anderen Ende war ihre Tochter, der ich auf Englisch erklärte, was passiert sei. Sie wiederum übersetzte ihrer Mutter, die kein Wort Englisch konnte, dafür nur Bulgarisch sprach. Wir halfen ihr mit dem Gepäck und beim Laufen in den Terminal und übergaben sie ans Flughafen Personal, die sie dann mit einem Rollstuhl weiter transportierten. Die Frau wirkte verwirrt und ich sah sie später in all dem Chaos nie wieder.


Im Flughafen war man inzwischen informiert worden, was passiert war und es gab Personal, das uns in Empfang nahm. Es dauert dann aber noch weitere 2 Stunden bis Personal kam, die Schalter besetzte und versuchte uns zu helfen. Wir erhielten eine Hotline nr., die heillos überfordert war.
Unsere Ärztin versuchte für uns einen Flug nach Hause über eine andere Airline zu organisieren.
Leider konnte uns niemand weiterhelfen. Stundenlang standen wir im Terminal rum.
9 Stunden nach dem Einchecken beschwerten wir uns, da wir nichts zu Essen und zu Trinken angeboten bekommen hatten. Was ich wirklich als eine Zumutung empfand. Die Fluggäste die noch Süßigkeiten übrig hatten teilten sie mit den anderen reisenden. Kam mir vor wie bei der Speisung der 5000.  Man organisierte uns Wasserflaschen und Chips. Draußen war es inzwischen Dunkel geworden. Inzwischen kam eine deutschsprechende Managerin der Fluggesellschaft, die allen Rede und Antwort stand. Auch wenn sie sich sehr bemühten, waren die Fluggäste inzwischen mehr als gereizt.
Zwei kleine Mädchen, die ohne Eltern flogen, mussten gute 4 Stunden warten bis Hilfe kam. Gott sei Dank konnten sie Englisch sprechen.


Um Zeit zu gewinnen, erhielten wir alle Essensgutscheine und wurden in die im Flughafen befindlichen Restaurants verteilt. In der Zwischenzeit organisierte man Hotels für all die Fluggäste. Als wir fertig mit Essen waren, hatte man uns ein Hotel organisiert und wir wurden mit dem Shuttle ins Hotel gebracht. Wir kamen an und sollten mit 5 Personen 2 Doppelbetten beziehen. Schnell sorgte man hier für Abhilfe. Und über das gebuchte Hotel dürfen wir in in keinsterweise beschweren. Luxushotel vom Feinsten. All inkl.
Wir informieren unsere Chefs, Familien und Schulen über den aktuellen Stand. Und das man uns vorgewarnt hatte, das es unter Umständen 5 Tage dauern kann, bis man einen Rückflug für uns organisieren könnte.
Die Nacht nutzte das Krisenmanagement um Rückflüge für alle zu organisieren. Das erfuhren wir nur, als wir am nächsten Morgen die Hotline anriefen und sie uns mitteilten, das wir eine weitere Nacht dort bleiben mussten und erst am nächsten Tag Abends einen Weiterflug hatten. Am Flughafen hatte man in der Zwischenzeit einen extra Schalter eingerichtet, um die gestrandeten Passagiere informieren und beraten zu können.


Beim Frühstück trafen wir auf weitere gestrandete Passagiere, die noch keine Info erhalten hatten, wie es weiter gehen sollte. Wir teilten ihnen die Hotline Nr. mit und auch für sie waren Rückflüge gebucht. Auch beim Abendessen trafen wir weitere gestrandete Passagiere unteranderem die Frau, neben der ich im Flieger gesessen hatte. Ihren Mann hatte sie inzwischen wiedergefunden.
Das Hotel war toll organisiert und wir waren gut untergebracht, also nahmen wir uns nochmal einen Mietwagen und nutzen die uns geschenkte Zeit um weiter Los Angeles zu entdecken. In unserem Hotel waren 16 Zimmer von der Airline gebucht und das Hotel nahm für die Kostenübernahme direkt Kontakt mir der Airline auf. Wie ihr sehen konntet waren wir gut versorgt. Eigentlich ein wundervoller Abschluss an einen Urlaub im Trailer. Obwohl wir sehr schnell merkten, das das nicht unsere Art ist Urlaub zu machen.

Am nächsten Tag wurden wir wieder mit dem Shuttle zum Flughafen gefahren. Im Shuttle trafen wir weitere gestrandete Passagiere. Die waren aber Stinksauer und hatten ihren eigenen Rückflug organisiert. Im Flughafen angekommen herrschte überall Chaos. Überall lagen Koffer rum. Die Gepäckbänder seien defekt. Ich beobachtet wie selbst das Bodenpersonal mit ihren Handys Bilder von diesem Chaos machten.
Beim Einchecken erfuhren wir, das unsere Flüge nicht sicher wären und wir auf Wartestellung an 8. Stelle stehen würden. Man würde uns nachdem alle Passgiere eingecheckt hatten informieren, ob es Platz für uns geben würde. Da wir kein Risiko eingehen wollten, wendeten wir uns wieder unserer Airline zu, die immer noch einen Service Schalter für alle gestrandeten Passagiere hatte. Hier versuchte man uns Flüge zu organisieren. Erst über andere Airlines, dort wurden wir auf eine Airline gebucht, die mich und die Kinder nach London fliegen sollte, mein Mann sollte an einem anderen Tag folgen. Als auch hier schon der Flug voll war und die Kostenübernahme noch nicht geklärt war, war der Flieger weg. Sie wollten uns trennen, dann sollten wir auch noch an unterschiedliche Endflughäfen geflogen werden. Ich verlor das erste Mal die Nerven und fing zu heulen an.


Um die Geschichte abzukürzen, kümmerten sich am Ende 4 Personen vom Personal 2 Stunden lang um unseren Rückflug. Wir bekamen zu fünft Platz im über buchten Flieger, allerdings mussten wir rennen da, das Boarding schon begonnen hatte. Man bot uns an unser Handgepäck ebenfalls aufzugeben, was wir gerne in Anspruch nahmen. Was sich jetzt im Nachhinein als großer Fehler entpuppte. Denn wer so unüberlegt sein Handgepäck aufgibt an einem Flughafen, bei dem die Gepäckbänder defekt sind, brauch sich nachher nicht wundern, wenn etwas verloren geht. Uns blieb nicht mal Zeit das wichtigste rauszunehmen. So flogen wir mit unseren Pässen, Geldbeutel und Handys los. Die Zeit lief gegen uns. Wir schafften es an allen im Sicherheitscheck vorbei und schafften es noch zum Boarding rechtzeitig da zu sein. Dieses hatte sich verzögert, da es durch das Gepäckchaos zu weiteren Problemen kam. Wir danken allen Passagieren, die uns vor gelassen haben und dem Sicherheitspersonal das uns 5 in sekunden durch die Schleuse gelotst hat. Schmunzeln musste ich über Kommentare vom Personal und anderen Fluggästen, das man doch beim nächsten Mal bitte pünktlich sein solle. Nachdem wir nun wieder Stunden auf dem Flughafen verbracht hatten. Keine Ahnung, ob es nochmal ein nächstes Mal geben wird.
Nach 2 Stunden chaos und bangen am Flughafen, stiegen wir erschöpft in den Flieger. Unser Weiterflug hatte 1 Stunde Pause. Der Start verzögerte sich um weitere 20 min bis alles Gepäck am Flieger war, da er von Hand eingeladen werden musste.
Mit 35 min Verspätung hoben wir ab.
Als wir abheben hatten ca. die Hälfte der Fluggäste noch keinen Rückflug.
Da 95% der Fluggäste weiterflogen, wurden wir schon an Board über unsere Gates informiert. Wir hatten gute 20 min nach Landung Zeit für den Weiterflug. Leider war die Passkontrolle noch geschlossen und weitere 10 min vergingen. Auf unser beschweren teilte man uns mit, das jetzt erst Schichtbeginn wäre. DAs Flugzeug würde auf uns warten. Kann mir jemand mal erklären, wie das funktionieren hätten sollen, wenn wir pünktlich gewesen wären? Als wir am Gate ankamen, war unser Flieger weg und ein anderer Flug wurde angezeigt.
Wir gingen zurück zum Schalter der Airline, wo man uns mitteilte, das man dies schon in der Luft kommen sehen hatte und uns rechtzeitig umgebucht hatte, auf einen späteren Flug.
Enttäuscht und völlig erschöpft nutzen wir die Zeit, um etwas zu schlafen.
Unser neues Flugzeug landete mit 20 min Verspätung. Erschöpft stiegen wir in diesen Flieger ein. Nachdem alle Passgiere ihren Platz eingenommen hatten, war der Platz unserer Tochter durch einen anderen Gast besetzt. Es gab Gott sei Dank noch genügend leere Plätze im Flieger. Gerade als die Crew die Sicherheitsdurchsage demonstrieren wollten, gingen alle Lichter und Lüftungen im Flieger aus. Vom Kapitän kommt eine Durchsage das wir nicht starten können, das es einen technischen Defekt gibt. Die Batterie sei zu schwach zum starten und sie bräuchten Starthilfe.
Alle zur Verfügbaren Türen wurden geöffnet und die 34grad heiße Luft strömte durch den Flieger.
Ich bespreche mit meinen Töchtern, das Drehbuch das man mit diesem Albtraum zu einer Komödie umschreiben könnte.
Eine weitere Durchsage teilt uns mit, das es noch dauert, da alle Mechaniker im Einsatz seien.
Wir fragten uns ernsthaft, wann man uns erklärt, das es Verstehen sie Spaß ist und wo sich die versteckten Kameras befinden. Oder wer hinter all dem steckt. Leider kommt niemand vom Fernsehen.....
Die Maschine kann gestartet werden und wir heben mit 35 Min Verspätung ab.
Zwischendrin haben wir so starke Turbulenzen, da ich zu den Kindern sage, das sei jetzt das Ende der Geschichte.
Als wir in Stuttgart am Flughafen ankommen, fehlen alle unsere 9 Koffer mit all unseren Lieblingssachen, Kamera mit Bildern, Navi, Laptop, Schuhen, Handtaschen, Geschenken....
Es dauert eine Stunde bis wir an der Verlustmeldestelle dran sind, denn aus dem ganzen Flieger kommen nur 6 Koffer.

2 Tage später wurden sie direkt vor unsere Türe geliefert und alles ist vollständig.



Vor Beginn des Urlaubs gründete ich eine Whatsapp Gruppe für unsere Freunde und Familien in der wir täglich von unserer Reise berichteten und Bilder verschickten. Sie erlebten all dieses Drama fast in Lifezeit mit und drückten uns alle Daumen und beteten wie verrückt, das alles gut geht. Danke für jeden Einzelnen von Euch.

Ich saß das erstmal nach dem Urlaub da, ohne Wäsche waschen zu müssen. Hach schade, wie schnell 4 Wochen Urlaub vorbei sind........

Die Erfahrung, die ich davon mitnehmen kann, ist unbeschreiblich. Dankbar für jeden, der uns versucht hat zu helfen, für das Personal, das extra aus dem Frei kam, das bis mitten in die Nacht versucht hat zu helfen und für jeden dem wir eine Hilfe waren! Dankbar, das wir zusammen zurück ausgeflogen wurden, für das Verständnis unserer Chefs und die Kollegen, die für uns eingesprungen sind! Aber am dankbarsten, das keiner der vielen Passagiere verletzt wurde und für die Weisen Entscheidungen, die die Piloten und Mechaniker getroffen haben, nicht zu fliegen!

Wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen. Daher zeige ich euch demnächst etwas von meinen Highlighhts und gebe euch meine ganz persönlichen Tipps, die ich von der ganzen Reise mitnehmen durfte.

Viele haben meine Bilder schon auf Instagram oder Facebook entdeckt.

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    Eure Reise war ja wirklich sehr spannend.Ich hätte auch vermutet das "Verstehen Sie Spaß?" irgendwo lauert. Zum Glück kam ja alles noch ins Lot, aber stressig ist es alle mal. Meiner Tochter und mir ist letztes Jahr ähnliches passiert, aber so schlimm wie bei Euch nicht. Ich wünsche Euch ein erholsames Wochenende.

    Liebe Grüße aus dem Sachsenland

    Peggy

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  2. oh weh, da ist doch der Erholungseffekt bereits wieder dahin - aber schön, dass ihr alle zusamen heil und gesund wieder zurück seid!
    um eure Rundfahrt beneide ich euch ein wenig - ich kenne den Südwesten der Staaten bisher nur im Januar - jetzt im Frühjahr muss das noch mal eine ganz andere Hausnummer sein!
    liebe Grüße
    Manu

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  3. WOW was für ein Trip. Zum Glück ging alles gut aus!
    GLG von Ines

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  4. Meine Güte, was für eine Odysee. Da kann einem der Spaß schon mal vergehen.
    Zum Glück seid ihr alle heil und gesund wieder daheim - sogar mit Gepäck!

    liebe Grüße
    Nicole

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  5. Ich komme immer wieder gerne, um die beeindruckenden Bilder zu sehen.

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