Montag, 25. April 2016

Teeniezimmer und wie ich mein Kind nicht zerstöre

Einmal mit der Kamera ohne Ankündigung durchs Teenie Zimmer streifen....
und wie sagt man so schön. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Ordnung und Dekofimmel....


Maritime Deko durchzieht das ganze Zimmer. Da verschwindet das ein oder andere Dekoteil aus dem Haus und wo findet man es wieder?


Das Bett wurde freistehend aufgestellt. Von beiden Seiten begehbar, ganz nach Amerikanischem Vorbild.

Genau an dieser Stelle stand auch mal mein Schreibtisch, als ich noch kein eigenes Büro hatte.


Als die Kinder noch klein waren, war das unser Schlafzimmer.  Inzwischen haben sie ja ihre eigene Etage für sich. Wir sind ins Untergeschoss gezogen und haben so unsere Ruhe oder sie ihre.
  



Bin schon gespannt, was aus diesem Zimmer mal wird, wenn die Kinder ausgezogen sind. Ein Gästezimmer? Mein neues, altes Schlafzimmer? Wir werden es sehen.


Hier der Auszug aus der Huffington Post, der mir aus dem Herzen spricht und den ich allen Eltern wärmstens an Herz lege.

"Als mein Vater ein Kind war, hatte er jeden Winter nur einen Pullover. Einen. Insgesamt.
Er erinnert sich noch daran, wie gut er auf seinen Pullover achtgegeben hat. Wenn an den Ellenbogen Löcher waren, hat meine Großmutter sie geflickt. Wenn er seinen Pullover verlor, überlegte er sich, wo er überall gewesen ist, um ihn wiederzufinden. Er passte gut auf den Pullover auf, da er für ihn ein kostbares Geschenk war.
 
Er hatte alles, was er brauchte, und nicht viel, viel mehr. Die einzige Regel lautete, dass er zum Abendessen zu Hause sein musste. Meine Großmutter wusste meist nicht so genau, wo ihre Kinder steckten.
Sie waren unterwegs und errichteten Lager, bauten Pfeile und Bögen, zogen sich blaue Flecken und blutige Knie zu und hatten die beste Zeit ihres Lebens. Sie waren komplett in ihre Kindheit eingetaucht.
Die Welt hat sich seitdem verändert. Wir haben uns weiterentwickelt. Und befinden uns nun in einer einzigartigen Zeit, in der Eltern nicht mehr damit zu kämpfen haben, dass sie ihren Kindern nicht genug bieten können, sondern in der sie nicht widerstehen können und ihren Kindern viel zu viel bieten.
Mit diesem Verhalten erzeugen wir unwissentlich ein Umfeld, das einen Nährboden für psychische Krankheiten bietet.
Als ich das Buch Simplicity Parenting von Kim John Payne las, stach mir eine Botschaft ganz besonders ins Auge.
Ganz normale persönliche Eigenarten können in Kombination mit dem Stress von "zu viel von Allem" dazu führen, dass Kinder Störungen entwickeln. Kinder, die gerne methodisch vorgehen, können dadurch zu zwanghaftem Verhalten gedrängt werden. Verträumte Kinder können ihre Konzentrationsfähigkeit verlieren.
Payne führte eine Studie durch, in der er das Leben von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom vereinfachte. Innerhalb von nur vier Monaten wurden 68 Prozent der Kinder wieder als klinisch unauffällig eingestuft, bei denen vorher klinische Auffälligkeiten festgestellt worden waren.
Außerdem stiegen die akademische Eignung und die kognitiven Fähigkeiten der Kinder um 37 Prozent an, ein Ergebnis, das nicht einmal mit häufig verschriebenen Medikamenten wie Ritalin erreicht wird.
Als frischgebackene Mutter finde ich das ermutigend und erschreckend zugleich. Wir haben ganz offiziell die riesige Chance und Verantwortung, eine Umwelt zu erschaffen, in der unsere Kinder körperlich, emotional und geistig aufblühen können.
Was machen wir also falsch und wie können wir es besser machen?

Die Last des Zuviels

Zu Beginn seiner Karriere arbeitete Payne ehrenamtlich in Flüchtlingslagern, in denen die Kinder an Posttraumatischen Belastungsstörungen litten. Er beschrieb sie als "schreckhaft, nervös, extrem wachsam, misstrauisch gegenüber jeglichen Änderungen oder Neuem.“
Jahre später hatte Payne seine eigene Privatpraxis in England. Dort stellte er fest, dass viele Kinder aus wohlhabenden Familien die gleichen Verhaltensmuster zeigten wie die Kinder, die er in Kriegsgebieten beobachtet hatte. Warum wiesen diese Kinder, die in völliger Sicherheit lebten, ähnliche Symptome auf?

Heutzutage sind Kinder einer ständigen Informationsflut ausgesetzt

Payne erklärt, dass sie sich zwar körperlich in Sicherheit befänden, doch psychisch lebten sie ebenfalls in einer Art Kriegsgebiet."Da sie sich der Ängste, Ziele, Ambitionen ihrer Eltern und der extremen Schnelligkeit ihres Lebens bewusst waren, versuchten die Kinder durch letztlich nicht besonders hilfreiche Verhaltensweisen, ihre eigenen Grenzen, ihr eigenes Maß an Sicherheit, zu finden.“
Kinder, die unter einer "Reaktion auf kumulativen Stress“ leiden, welche durch den Schneeballeffekt von "zu viel von Allem" hervorgerufen wird, entwickeln ihre eigenen Bewältigungsstrategien, um sich sicher zu fühlen.
Eltern und die Gesellschaft sind sich bewusst darüber, dass sie ihre Kinder körperlich schützen müssen, doch dass sie auch auf die psychische Gesundheit ihrer Kinder achten müssen, ist weit weniger bekannt.
Heutzutage sind Kinder einer ständigen Informationsflut ausgesetzt, die sie nicht verarbeiten oder rationalisieren können. Sie werden schneller erwachsen, weil wir sie in die Rolle von Erwachsenen drängen und unsere Erwartungen an sie erhöhen. Deshalb suchen sie nach anderen Bereichen ihres Lebens, die sie kontrollieren können.

Die vier Säulen des Überflusses

Wir Eltern wollen unseren Kindern selbstverständlich den besten Start ins Leben ermöglichen. Wenn ein wenig gut ist, so denken wir, dann ist mehr noch besser, oder etwa nicht?
Wir melden sie zu unzähligen Aktivitäten an. Und füllen jedes Fleckchen ihres Zimmers mit lehrreichen Büchern, Geräten und Spielzeugen, wobei ein durchschnittliches westliches Kind mehr als 150 Spielsachen besitzt.
Eine derart große Auswahl verblendet Kinder und erdrückt sie mit Auswahlmöglichkeiten.
Sie spielen nur oberflächlich, statt sich vollkommen einzulassen und ihrer blühenden Fantasie freien Lauf zu lassen.
In Simplicity Parenting wird empfohlen, Kindern weniger Spielsachen zu geben, damit sie sich stärker mit dem Spielzeug beschäftigen, das sie haben. Laut Payne bestehen die vier Säulen des Überflusses aus zu viel materiellem Besitz, zu vielen Wahlmöglichkeiten, zu vielen Informationen und zu viel Geschwindigkeit.
Wenn Kinder überhäuft werden, verpassen sie die wertvolle Auszeit, die sie zum Entdecken, Nachdenken und Entspannen brauchen.
Zu viele Wahlmöglichkeiten machen Kinder unglücklich und rauben ihnen das Geschenk der Langeweile, das Kreativität und selbstgesteuertes Lernen fördert.

Die Kindheit schützen

Ähnlich wie bei der Anekdote, in der die Hitze langsam aufgedreht und der nichts ahnende Frosch gekocht wird, hat unsere Gesellschaft die Wunder der Kindheit ebenfalls schleichend zerstört.
Sie hat sie neu definiert und nun lässt sie die unreifen Gehirne unserer Kinder beim Versuch, Schritt zu halten, ertrinken. Dies wird oft als "Krieg gegen die Kindheit" bezeichnet.
Der Entwicklungspsychologe David Elkins berichtet, dass Kinder in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als zwölf Stunden Freizeit pro Woche verloren haben, was bedeutet, dass sie kaum mehr Gelegenheit haben, frei zu spielen.
Selbst Vorschulen und Kindergärten legen ihren Fokus verstärkt auf Bildungsaktivitäten. In vielen Schulen gibt es keine Pausen mehr, damit die Kinder mehr Zeit zum Lernen haben.
Es hat sich gezeigt, dass die Kreativität von jungen Erwachsenen, die als Kinder Zeit mit Vereinssport verbracht hatten, bedeutend gesunken war, wohingegen die Zeit, die Kinder mit informellem Sport verbringen, mit einem Anstieg an Kreativität in Verbindung gebracht wird.
Es ist nicht der Vereinssport an sich, der die Kreativität zerstört, sondern die fehlende Auszeit. Bereits die Möglichkeit, zwei Stunden pro Woche frei spielen zu können, reicht aus, damit Kinder eine überdurchschnittlich hohe Kreativität entwickeln können.

Es liegt in der Hand der Eltern

Wie sollen wir Eltern also unsere Kinder in dieser neuen "Normalität“ schützen, die die Gesellschaft entwickelt hat?
Ganz einfach indem wir Nein sagen. Wir schützen unsere Kinder und sagen Nein, damit wir ihnen mehr Raum verschaffen können, in dem sie Kinder sein dürfen. Nein, Sam schafft es am Samstag nicht zur Geburtstagsparty. Nein, Sophie schafft es diese Woche nicht ins Fußballtraining.
Außerdem sorgen wir wieder für regelmäßige Auszeiten, damit sie in ihrer anderweitig chaotischen Welt Ruhe und Trost finden können.
Die Kinder können sich darauf verlassen, dass sie sich während dieser Auszeit entspannen können und sich wieder erholen und wachsen können, was für die Entwicklung von Kindern extrem wichtig ist.
Wir sortieren unnötige Aktivitäten aus und vereinfachen ihr Leben. Wir sprechen beim Abendessen nicht über die globale Erwärmung, wenn ein Siebenjähriger mit am Tisch sitzt.
Wir schauen uns die Nachrichten an, wenn unsere Kinder schlafen. Wir entfernen überflüssiges Spielzeug und Spiele aus ihrem Zimmer, wenn die Kinder schlafen. Wir erschaffen wieder eine Kindheit und halten sie in Ehren.
Unsere Kinder können noch ihr ganzes Leben lang erwachsen sein und sich mit der Kompliziertheit des Lebens auseinandersetzen, doch sie haben nur einen sehr kurzen, flüchtigen Zeitraum, in dem sie Kinder sein dürfen. Ausgelassene, lebenslustige Kinder.
Die Kindheit dient einem sehr wichtigen Zweck. Sie ist nichts, was man einfach nur "durchstehen“ muss. Sie ist da, um die Psyche von Kindern zu schützen und sie weiterzuentwickeln, damit diese Kinder zu gesunden und glücklichen Erwachsenen werden können.
Wenn die Gesellschaft zu stark in die Kindheit eingreift, reagiert das Gehirn darauf. Wenn wir unseren Kindern Ausgeglichenheit vermitteln und ihre Kindheit aktiv schützen, machen wir ihnen das größte Geschenk, das sie jemals erhalten werden."
Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post Canada erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.


Kommentare:

  1. Danke, du sprichst mir aus dem Herzen. Mein Sohn ist schon erwachsen, aber auch bei ihm habe ich versucht ihm Freiräume einzuräumen und Zeiten der Ruhe. Selbst heute gönnt er sich nach der Uni Zeit zum Abschalten bevor er wieder durchstarten.
    Liebe Grüße
    Sabine

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  2. Das sind ja mal wahre Worte. Die Kinder werden heute von den Helikopter Eltern betüdelt und haben so gut wie keine Freiräume. Wir haben uns nur auf eine Sportart beschränkt und den Kindern viel Freizeit gegeben. Dies war natürlich auch unserem Beruf geschuldet, der mehr gar nicht zuließ. Aber den Kindern hat es nicht geschadet, im Gegenteil. Meine Kleine (17) liebt es jetzt immer noch, sich mit ihrer Freundin und Gummistiefeln im Feld zu treffen und durch die dicksten Pfützen zu springen. Das darf ich natürlich nicht laut sagen, dann ist es viellicht peinlich. Aber es macht ihr einen Riesenspaß und die beiden sauen sich dann richtig ein. Schick machen kann man sich danach immer noch....
    Liebe Grüße
    Silke

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